Weißrussland ist raus

Nun ist es offiziell: Wie die EBU kürzlich mitteilte, wird Weißrussland nicht am diesjährigen Eurovision Song Contest teilnehmen. Die Organisation hat auch den zweiten Beitrag des Landes abgelehnt. Nach der Absage Armeniens und der Disqualifikation Weißrusslands, kämpfen nun nur noch 39 Nationen um die gläserne Trophäe und somit um den Sieg der musikalischen Europameisterschaft.

Aber wie kam es dazu?

Weißrussland nominierte die Band Galasy ZMesta mit dem Song „Ya nauchu tebya“. Der Aufschrei in der Fangemeinde war groß. Nicht nur weil der Sänger der Gruppe sich in früheren Liedern sexistisch und Transphob äußerte, sondern auch, weil der ESC Song im Kontext der politischen Lage des Landes nicht als neutraler Beitrag gewertet werden konnte. Die politische Dimension des Liedes war klar erkennbar. Der Druck war so groß, dass die EBU das Lied nicht zulassen konnte, aber dennoch kamen sie dem Land mit einer (zu) großen Geste entgegen. Weißrussland bekam eine Fristverlängerung und durfte nachsteuern. Sie sollten das Lied überarbeiten oder einen neuen Beitrag einreichen. Das taten sie dann auch und wie zu erwarten war, war auch dieser Song politisch motiviert. Der Song, der laut Nachrichtenagentur ATN „Pesenka“ also zu Deutsch „Kleines Lied“ heißt, verstoße laut EBU ebenfalls gegen das Regelwerk und konnte daher nicht zugelassen werden. Somit sei es Weißrussland nicht möglich gewesen, einen adäquaten Beitrag innerhalb der verlängerten Frist einzureichen, was wiederum zum Ausschluss des Landes führte.

Provokation und Opferrolle

Ebenso, wie die zweifache Provokation des Landes, war auch die weißrussische Kritik am Ausschluss zu erwarten. Bereits mit der Meldung, dass VAL (ESC 2020 Teilnehmer:innen) aufgrund ihrer Unterstützung der Protestbewegung nicht erneut teilnehmen dürfen, war klar, dass Weißrussland dieses Jahr so lange provoziert, bis es zum Ausschluss kommen wird. Zahlreiche Fans haben dies vorhergesagt und so kam es nun auch. Schade, dass die EBU sich auf dieses Spiel einließ, denn weißrussische Unterstützer:innen der Protestbewegung äußerten schon lange vor diesem Trauerspiel den Wunsch, dass die EBU Weißrusslands Teilnahme um ein Jahr aussetzt, sodass die Regierung des Landes den dortigen guten Ruf der Veranstaltung nicht zur Instrumentalisierung nutzen kann. Da spielte die EBU nun der Regierung in die Karten, die sich nun als Opfer darstellen.

Wie die „Stuttgarter Nachrichten“ berichten, spricht die Band selbst von einer „absoluten Schande“ weiter sprechen sie von einer „Farce“ und von „Doppelmoral“ seitens der EBU. Witzigerweise sehen ESC-Fans das mit der Farce ähnlich, jedoch sehen diese die Opfer-Täter-Verteilung etwas anders.

Der ESC und die Politik

Der ESC war nie unpolitisch und wird es auch nie sein. Alles andere ist eine Illusion. Ob ältere Aktionen wie das Signal der Nelkenrevolution oder politische Momente der neueren Zeit, wie der Ukrainekonflikt, der gleich zweimal zum Ausschluss von Künstlerinnen führte (2017 Russland, 2019 Ukraine). Die Liste ist lang. Daher ist es albern, sich erst auf Druck der Fans der politischen Lage Weißrusslands zu stellen. Man hätte bereits frühzeitig und im Vorfeld Haltung bewahren sollen. Schon alleine, weil ein ESC 2022 in einem Land dessen politische Lage so angespannt ist, gar nicht hätte stattfinden können.

Es bleibt abzuwarten, ob Weißrussland bald wieder zum Contest zurückkehren wird oder ob es sich den beleidigten Nationen wie Türkei und Ungarn anschließt und nun nicht mehr mitspielen will.

[Gesamt: 1   Durchschnitt:  5/5]

2 Antworten auf „Weißrussland ist raus“

  1. Servus! Gruß von Zwelfbungt (der hier unter nem anderen Namen kommentiert)!
    Ich finde jetzt nicht, dass die EBU zu großzügig zu BTRC war. In Anbetracht anderer Sonderbehandlungen der Vergangenheit (Frankreich 2006, Ukraine 2010) war das nur gerecht, dem Land einen Aufschub zu gewähren. Nur entgegen der beiden vorher genannten Fälle haben die Verantwortlichen von BTRC diesen Aufschub mit Füßen getreten und wollten rückwirkend betrachtet nur provozieren.
    Mein ehemaliger Klassenlehrer sagte einst: “Unverschämtheiten macht man zwei Mal. Ein erstes und ein letztes Mal!”. Und nach diesem Credo haben die Genfer dieses Jahr bei Belarus gehandelt. So wurde der Schaden vom ESC weitesgehend abgewendet.
    Ich hoffe natürlich sehr, dass sich die Lage im Land bessert (vor allem für die Bürger) und das wir Belarus bald wieder beim ESC begrüßen dürfen.

    1. Du hast natürlich recht, dass die EBU schon so handeln musste. Insbesondere wenn man die von dir erwähnten Sonderbehandlungen im Hinterkopf hat. Aber ich finde es hätte gar nicht so weit kommen müssen, wenn nur Länder teilnhemen dürften, deren aktuelle Lage so stabil ist, dass ein ESC problemlos stattfinden könnte. Und ich ärgere mich darüber, wie Weißrussland mit so viel Entgegenkommen umgeht. Aber ich gebe dir da absolut recht. Ich hoffe auch, dass Weißrussland nächstes Jahr wieder dabei ist und sich bis dahin die Lage im Land gebessert hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.