Ups – Die Pannenshow: Germany 12 Points

Vergangenen Freitag läutete Deutschland das Wochenende mit einem fulminanten Vorentscheid ein. Großartige Kandidat:innen, noch stärkere Interval-Acts, eine witzige Moderation und ein Auftritt, der allen den Atem raubte. Das hätte ich vermutlich geschrieben, wenn ich nur die Eindrücke aus dem Studio gehabt hätte. Nachdem ich die Show dann im TV sah, musste ich das leider revidieren.

Es war wirklich erstaunlich, wie mich Livemusik, die Stimmung und die Gruppendynamik nach zwei Jahren Corona-Pause beeinflusste. Die Energie vor Ort sorgte dafür, dass ich schwer beeindruckt nach Hause fuhr und dachte: „Wow, viel besser als erwartet!“. Aber leider ging dann doch viel schief, wie ich zuhause erfahren musste.

„Du hast es geschafft!“

Barbara kommentierte nahezu jeden Auftritt mit Floskeln wie „Du hast es geschafft!“ und genau das dachte sich der ESC-Fan auch, nach „Germany 12 Points“. Ich möchte hier jetzt gar nicht alles breittreten, was missglückte, da das bereits an unzähligen anderen Stellen erfolgte, dennoch darf man es auch nicht ganz verschweigen, daher hier das, was wir alle so lieben: Der Schnelldurchlauf.

Ich mag Barbara Schöneberger sehr, aber irgendwie tritt das ganze Format mit ihr auf der Stelle. Ähnliche Gags, wenig frischer Wind. Erschreckend war auch, dass ihre witzigsten Momente die waren, die sie hinter der Kamera hatte als sie vor der Show beispielsweise über ihr Outfit philosophiert. Insgesamt zündete die Moderation nicht, aber liebe Barbara, jetzt hast auch du es geschafft.

Gäste, wie die Namen der Künstler nicht kannten und unqualifizierte Kommentare abgaben waren ähnlich unangenehm wie die Technik. Denn Ton, Licht und Kameraführung waren auch nur so semigelungen, um es euphemistisch zu formulieren. Die Greenroom-Sitzecken der Künstler:innen fand ich eigentlich schick, abgesehen von diesen Teppichen. Klar, sie sollten an eine gemütliche Lounge erinnern, das kleine Zusammenstückeln hätte bei einer Dorfparty sicher auch gut gefunden, aber nicht bei einer ARD 20:15 Show, die darüber hinaus auf ONE und allen dritten Programmen lief.

Und obwohl die Kandidat:innen sicherlich ihr Bestes gaben, kann man auch deren Schwächen nicht verschweigen. Bereits beim Anstehen vor der Halle sangen (gefühlt) alle „I swear to god“. In der Halle waren deren Anhänger die einzigen, die Fan-Pullis trugen. In der Hallte tobte das Publikum, tanzte und sang lautstark mit, während des Auftritts des Koblenzer Duos. Das war einfach eine unglaubliche Partystimmung. Zuhause wars dann leider recht dünn. Sehr schade, denn ich glaube Turin hätte Spaß mit den Jungs gehabt. Dann die Texthänger bei Nico Suave und Emily Roberts. Man oh man! Klar, das kann mal passieren, aber gleich bei zwei von sechs Acts? Während Nico Suave das Ganze (halbwegs) gut überspielte, war Emilys Patzer nicht nur sehr offensichtlich, er war auch unglaublich lang. Ich dachte schon, sie findet gar nicht wieder in den Song rein. Erschreckend, bei einer Künstlerin, die zuvor aufgrund ihrer großen Bühnenerfahrung (u.a. von sich selbst) gelobt wurde. Ich möchte hier auf keinen Fall die Acts runtermachen! Es sind nur Menschen. Dennoch hatte ich mir hier mehr erhofft.

Highlights gab es aber auch

Jedoch war nicht alles schlecht, daher möchte ich lobend mit denen fortfahren, die ich zuletzt kritisierte. Die sechs Acts. Maliks Stimme war großartig, auch wenn das Staging für Turin noch einmal überdacht werden sollte. Felicias Revamp war ein riesengroßes Upgrade und ihre Show gefiel mir persönlich extrem gut, aber wer mich wirklich überraschte war Eros Atomus. Klar, die Stimme ist spannend und richtig gut, aber wie er aufs Sofa sprang, wie er strahlte, wie er im Studio Stimmungen transportierte. Wirklich ein großartiger Musiker. Hoffentlich kommt er bald mit einem besseren Song zurück! Und obwohl ich es absolut fragwürdig finde, dass man ein Lied so komplett umschreibt, insbesondere wenn das Online-Voting bereits läuft, muss ich doch festhalten, dass die beiden Sängerinnen von Team Liebe alle anderen Künstler:innen an die Wand gesungen haben. Stimmlich war Team Liebe auf jeden Fall am stärksten.

Mein persönliches Highlight war Conchita, die ich vergöttere! Aber auch Gitte und Jane versüßten mir den Abend. Wie zuckersüß kann man bitte sein?

Aber ohne jeden Zweifel sorgte Jamal für den größten, stärksten, emotionalsten und wichtigsten Moment des Abends. Ich musste nicht nur einmal tief einatmen, weil mich das alles so mitgenommen hat. Eine großartige Künstlerin mit einer so wichtigen Botschaft!

Einheitsbrei in vollen Zügen

Wurde bereits im Vorfeld kritisiert, dass das Lineup zu einseitig sei, so zeigte sich dieses Bild auch beim Online-Voting. Nahezu bei allen Radiostationen lagen Maël und Jonas vorne, Malik auf Platz zwei und Felicia Lu auf der drei. Ausnahmen gabs hier nur in Bayern, die Malik und das Duo tauschten sowie beim MDR, bei denen Felicia vor Malik lag. Auch bei den unteren drei Plätzen gab es nur wenige Abweichungen. Spannend wurde es dann lediglich durch das Televoting, dass Malik letztendlich am Duo vorbeischob und das jedoch auch nicht so eindeutig wie im Vorfeld erwartet. Hätte man die Stimmung im Studio während „I swear to god“ eingefangen, wäre der Abend vielleicht anders ausgegangen.

Punkteverteilung (Quelle: eurovision.de)

 

Trotz all der Kritik freue ich mich darüber, dass wir wieder einen Vorentscheid erleben durften und mit Malik Harris einen talentierten Sieger gefunden haben. Ein Musiker, der richtig Lust auf die Bühne hat und der obendrein sehr sympathisch ist.

Und an alle anderen Acts: „Ihr habt es geschafft!“

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2 Antworten auf „Ups – Die Pannenshow: Germany 12 Points“

  1. Ich habe die Sow ja nur im TV verfolgt und da war der Ton einfach so mies bei den Bewerbern um das Ticket nach Turin. Die anderen haben ja Playback gesungen, da war die Mischung so viel besser, dass man wirklich Zweifel haben musste, dass der deutsche Beitrag auch nur den Funken einer Chance haben kann. Mal und Jonas haben darüber ausführlich in ihrem Podcast berichtet. Ich hoffe für Malik auf ein gutes Staging und bessere Toningenieure in Italien. Barbara mochte ich eigentlich auch, aber es stimmt schon, ihr fehlte jegliche Begeisterung für die Songs. Bülent fand ich, bis auf die Eigenwerbung, ganz niedlich. Extra für die Mama schick machen…

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