Sheldon Riley – Not The Same (Australien)

Ach ist es nicht schön am Frühstückstisch zu sitzen, Kaffee zu schlürfen und entspannt zu brunchen und dabei eine Eurovision-Show zu sehen. Das dürfen wir dank Australien erleben. Heute Morgen wählte man Down Under den Act für Turin in einer fulminanten Show mit umwerfenden Bühnenshows, grandiosen Moderator:innen, aber leider nur mittelmäßigen Songs und vielen schiefen Tönen.

11 Acts für Australien: So verlief Australia Decides

Australien schickte elf Acts ins Rennen, was für eine abwechslungsreiche Show führte. Neben unterhaltsamen Moderator:innen wurden die Teilnehmer:innen durch Auftritte von Montaigne (ESC 2020 und 2021) und (unglaublich witzigen und sympathischen) KEiiNO (ESC 2019) umrahmt. Den Wettkampf eröffnen durfte eine Girlband namens G-Nat!on. Da haben wirs wieder, das „kecke“ Ausrufezeichen, dass so witzig und hipp das „i“ ersetzt. Na wenn das nicht gut wird, weiß ichs auch nicht. Bei sechs Sängerinnen keine starke Stimme zu haben, muss man auch erst mal schaffen. Eine gute Choreographie alleine reicht leider nicht aus, wir sind ja nicht bei Lets Dance. Nach einer TikTok-Wildcard-Gewinnerin, die mich in weder stimmlich noch mit der Show überzeugen konnte, folgte Sean Miley Moore. Der queere Künstler kam im Kleid und mit Regenbogenflagge. Trotz guter Stimme war das Lied einfach zu schwach und das Staging zu wenig. Nach einer belanglosen Nummer folgten viele schiefe Töne.

Gerade als ich dachte, es müsste langsam etwas Bessere kommen, stand Sheldon Riley in einem dunklen Setting auf der Bühne. Spannendes Outfit, einprägsame Inszenierung, eine starke Stimme! Wow, das gefällt mir. Ich zücke mein Handy und twittere meine Begeisterung, nur um dann feststellen zu müssen, dass das Lied mit dem „drum herum“ nicht mithalten kann. Schade.

Nach einer Disco-Nummer, die an Ikonen wie Donna Summer erinnerte, also an Donna Summer auf Wish bestellt, folgte ein absolutes Highlight der Show. Jaguar Jonze stand in einem beeindruckenden Outfit auf der Bühne, dass sich selbst entzündete. Während der Rock abbrannte, kämpfte sie sich aus selbigem, um mit ganzer Kraft den Song zu beenden. Stimmlich nicht immer ganz so sicher, aber dieser Song, diese Künstlerin, diese Bühnenshow lassen die schiefen Töne verzeihen. Unmittelbar nachdem sie den letzten Ton sang, bedankte sie sich unter Tränen bei ihren Fans, dass diese in den letzten zwei Jahren zu ihr standen. Sehr bewegend, wenn man weiß, dass Jaguar Jonze zu Beginn der Corona-Pandemie zu denen gehörte, die diese nur knapp überlebte. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt kämpfte sie sich zurück ins Leben und zurück auf die Bühne. Das war ein wirklicher Gänsehautmoment, dessen Lohn ein guter und starker zweiter Platz war.

Jaguar Jonze

 

Mit Isaiah Firebrace folgte ein bekanntes Gesicht. Dieses Mal stand der ESC Teilnehmer von 2017 nicht alleine auf der Bühne. Mit Duettpartnerin Evie Irie konnte er das Publikum nicht wirklich überzeugen. Das Duo erhielt mit 10 Punkten die zweitwenigsten Zuschauerstimmen.

Als vorletzter Act standen Voyager auf der Bühne. Eine Retro-Rockband. Style, Song. Show, alles passte, alles war irgendwie altbacken und trotzdem nicht altmodisch. Neben dem Gewinner und der verdienten zweitplatzierten war die Rockband nicht nur mein dritter Favorit. Auch in Australien kamen sie so gut an, dass sie es insgesamt auch auf den dritten Platz schafften.

Voyager

 

Den Abschluss machte Jude York. Der technisch gesehen wohl stärkste Sänger des Wettbewerbs, konnte mich persönlich nicht überzeugen, da ich die Art Männerstimme nicht leiden kann. Aber das ist mein persönlicher Geschmack, subjektiv betrachtet gehörte er definitiv zu den stärkeren Künstlern des Abends bzw. Morgens.

Und wer hat nun gewonnen?

Sheldon Riley, der bei Australia Decides als glücklicher Zweiter (Platz zwei bei Jury- und Zuschauer-Voting) letztendlich das Ticket nach Turin lösen konnte, hat seinen Song „Not The Same“ bereits vor sieben Jahren geschrieben.

Optisch erinnert mich der Musiker an eine Mischung aus dem Reality-Sternchen Mangiapane und dem israelischen ESC Künstler Hovi Star. Letzter nicht zuletzt aufgrund des Stagings. Glamour und Stil, Schlichtheit und Extravaganz, Stärke und Verletzlichkeit. Der australische Musiker kombiniert bei seinem Beitrag Gegensätzliches und puzzelt es zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Als er nach seinem Sieg den Song erneut präsentieren sollte, war er sichtlich emotional, unterbrach sich immer wieder und rang mit den Tränen. Abschließend verkündete er, dass er für eine Gruppe Menschen steht, die anders (also „not the same“) ist, die sich nicht in Schublanden sortieren lässt. Das wäre eine Ehre, denn es sei gut „anders“ zu sein. Starke und wahre Worte!

 

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