Eurovision-Lexikon

Ihr seid eurovisionäre Neulinge und stolpert über den ein oder anderen Begriff? Wer oder was sind Semis? Warum versendet der ESC Postkarten? Wer wohnt im Eurovillage und wo liegt das überhaupt? Fragen über Fragen. Sich der größten Unterhaltungsshow der Welt zu nähern ist oftmals gar nicht so leicht, gibt es doch eine eingeschworene Fangemeinde die mit solchen Fachtermini nur so um sich schmeißt. Wenn auch du auf der nächsten Eurovision-Party wie ein Profi wirken willst oder gar zum Profi werden möchtest, dann schaue dir das ESC-Lexikon an.

Wenn du jedoch bereits ein echter Kenner bist und dir noch Begriffe in der Liste fehlen, dann schreib sie hier in die Kommentare oder schreibe sie mir über meine sozialen Netzwerke.

 

3-Minuten Regel

Die 3-Minuten Regel besagt, dass ein Beitragslied nicht länger als drei Minuten sein darf. Dies sorgt für eine Vergleichbarkeit und hindert die Acts und Länder an überzogenen Auftrittslängen. Bei über 40 teilnehmenden Ländern ist das auch keine schlechte Idee.

Barbara Dex Award

Seit 1997 wird der Barbara Dex Award vergeben. Ausgezeichnet wird der Act mit dem hässlichsten Bühnenoutfit. Namensgeberin ist die Sängerin Barbara Dex, die im Jahr 1993 am ESC teilnahm. Ihr Kleid wurde im Anschluss an den ESC stark kritisiert.

 

Big Five

1996 war kein erfolgreiches deutsches ESC Jahr. Der Beitrag „Planet of blue“ konnte sich nicht für das Finale qualifizieren. Dies führte dazu, dass der ESC an Aufmerksamkeit einbüßen musste. Auch drohten große Nationen damit, den ESC verlassen zu wollen, was zu finanziellen Rückschlägen geführt hätte. Daher wurde 1997 festgelegt, dass die Big Four (Deutschland, Frankreich, Spanien und UK) automatisch für das Finale feststehen. Später komplettierte Italien die Big Five Diese Regelung soll die „großen“ Länder bei der Stange halten. Jedoch wird die Regelung oft als ungerecht kritisiert.

 

Delegation

Als Delegation wird das Team bezeichnet, dass von einem Land zum ESC geschickt wird. Neben den Künstler_innen zählen auch Journalist_innen und Fernsehvertreter_innen dazu.

 

Eurocafé

Im Jahr 2006 wurde das erste Eurocafé eröffnet. Seitdem gibt es in jedem Jahr in den jeweiligen Austragungsorten diesen Fan-Treff. Es ist eine Location, die als Treffpunkt für ESC Fans während der Probewoche gedacht ist.

 

EuroClub

Der EuroClub existiert seit 2005. Er dient als Treffpunkt Künstler_innen, Journalisten und akkreditierte Fans. Im Gegensatz zum Eurocafé kann hier also nicht jeder mitfeiern. Der EuroClub befindet sich wie das Eurocafé im Austragungsort. Er ist während der Probenwoche eröffnet.

 

European Broadcasting Union (EBU)

Die EBU ist eine Organisation der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten innerhalb der von der International Telecommunications Union (ITU) festgelegten Europäischen Rundfunkzone. Die EBU hat zahlreiche Aufgabe, dazu zählen u. a. die Koordination und Organisation des Programmaustauschs der teilnehmenden Nationen sowie der Erwerb und in die Verwaltung von Übertragungsrechten an internationalen Ereignissen wie dem Eurovision Song Contest.

 

Eurovillage

Wer jemals versucht hat eine Karte für das Finale zu ergattern weiß, wie schwierig das ist. Wer allerdings vor Ort sein möchte, auch ohne live in der Halle dabei sein zu können, der kann seit 2010 das Eurovillage besuchen. Es ist eine Art eurovisionäre Kirmes. Buden, Infostände, Livebühnen. Außerdem findet hier immer ein Public Viewing der Liveshows statt.

 

Greenroom

Der Greenroom ist der Warteraum, in dem die Künstler_innen auf ihren Auftritt warten. Seit einigen Jahren ist der Greenroom als Teil der Live-Show in den Zuschauerraum integriert. Somit sind die Acts von Anfang bis Ende Teil der Show.

 

Guilty Pleasure

Als „Guilty Pleasure“ wird in der Pop-Kultur etwas bezeichnet, dass Subjektiv zwar als eher schlecht bewertet wird, aber dennoch zum persönlichen Liebling avanciert. Der Begriff fällt oft bei vermeintlich peinlichen Acts, die nicht als Massentauglich eingestuft werden, aber dennoch den persönlichen Geschmack treffen.  

 

Head of Delegation (HoD)

Der HoD leitet die jeweilige Delegation. Er ist der nationale Ansprechpartner für die jeweiligen Veranstalter und für die EBU. Er vertritt darüber hinaus die Interessen seines Heimatlandes bei den HoD-Treffen.

 

Interval-Act

Als Interval-Act werden die Künstler_innen bezeichnet, die nicht am Wettbewerb teilnehmen, aber während der Live-Show auf der Bühne stehen. Diese Auftritte dienen dazu, den Abstimmungszeitraum aufzulockern. Häufig bleiben gerade diese Acts in Erinnerung. So konnte 1994 Riverdance für Schlagzeilen sorgen. Auch 2010 sorgte ein internationaler Flashmob für Aufsehen und zuletzt gingen Madonnas schiefe Töne in die ESC Geschichte ein.

 

Junior Eurovision (JESC)

Der JESC ist eine Kinder- und Jugendveranstaltung des ESC. Hier treten, ähnlich wie beim „großen“ ESC verschiedene Länder auf musikalischer Ebene gegeneinander an. Jedoch dürfen hier nur junge Musiker_innen antreten. Anders als beim „großen“ Event, darf man hier auch fürs eigene Land voten. 2020 nahm Deutschland erstmals am JESC teil und landete auf dem letzten Platz.

 

Jury

Juroren stellen von Anfang an einen festen Bestandteil des ESC dar.  Bis 1996 bestimmten sie alleine, wer den Contest gewinnt. Nach einer fünf jährigen Pause, in der Juroren keine Rolle mehr spielten, wurden diese 2009 wieder reaktiviert. Nun sollen sie als Gegengewicht zum Publikumsvoting dienen. Jedes Land bestimmt fünf Expert_innen. Sie müssen in Verbindung zur Musiklandschaft stehen. Außerdem sollte auf eine Alters- und Geschlechtsvielfalt geachtet werden. Anders als das Publikum gibt die Jury bereits vor der Live-Show ihre Wertung ab. Als Grundlage für die Jury-Entscheidung dient die zweite Generalprobe, die daher auch „Jury-Finale“ genannt wird. Das Endergebnis setzt sich zu 50 Prozent aus der Jury- und zu 50 Prozent aus der Publikumswertung zusammen.

 

Kommentator_innen

Der ESC ist eine Show mit weltweiter Aufmerksamkeit, weit über EU-Grenzen hinaus. Auch Amerika oder China übertagen/übertrugen die Sendungen. Jede Fernsehanstalt die den Contest überträgt darf auch einen eigenen Kommentator entsenden, der alle wichtigen Infos in Landessprache übersetzt. Viele Nationen wechseln ihre Kommentatoren ständig, andere Nationen halten an etablierten Stimmen fest. So gehört Peter Urban für viele zum heimischen ESC, wie der Regen auf der Pre-Party in Hamburg. Häufig beeinflussen Kommentatoren auch die Zuschauer_innen. So wurde in zahlreichen Ländern erklärt, dass Ann-Sophie 2015 lediglich die Notlösung sei, da Andreas Kümmert seine Teilnahme zurückzog. Dies wird immer wieder als ein Teilaspekt für ihre schlechte Null-Punkte-Platzierung herangeführt.

 

OGAE

Die OGAE (Organisation Générale des Amateurs de l’Eurovision) ist der größte internationale Fanclub des ESC. Er wurde 1984 in Finnland gegründet. Mittlerweile ist der Fanclub zu einer solchen Größe herangewachsen, dass es in zahlreichen Ländern regionale Untergruppen gibt. So ist für Deutschland OGAE Germany „verantwortlich“, dies jedoch nicht exklusiv, denn auch der Fanclub „Eurovision Club Germany e. V. (ECG) zählt zur OGAE-Familie. Die Fans, die in ihrer Heimat keinen OGAE Ableger haben (z.B. Afrika, Amerika und Asien) finden unter dem Namen „OGAE Rest of the World” ihre Fan-Heimat.

 

Pigeon Hole

Jeder akkreditierte Journalist bekommt ein eigenes Postfach, auch Pigeon Hole genannt. Dort werden Informationen, Pressemappen und kleine Geschenke für die Pressevertreter hinterlegt. So verteilte Deutschland beispielsweise Jamie-Lees Kopfschmuck, um auf den deutschen Act aufmerksam zu machen.

 

Pipi-Pause

In ESC Kreisen werden vermeintlich langweilige Auftritte häufig mit dem Satz „Das wird meine Pipi- /Pinkelpause“ kommentiert. Da Deutschland, anders als andere Länder, keine Werbepausen beim ESC hat, muss man möglichst langweilige Momente herauspicken, um diese für den Toilettengang nutzen zu können. Da man, außer bei den Acts, im Vorfeld nie genau sagen kann, was einen erwartet, fällt dieser Toilettengang dann nicht selten zu Lasten der ungeliebten Acts aus.

 

Postcards

Seit 1970 werden die Umbaupausen zwischen den Acts mit kleinen Filmchen überbrückt, in denen das Gastgeberland oder der nächste Act vorgestellt wird. Oftmals wird beides miteinander vereint, indem die Künstler_innen an bestimmten, repräsentativen Orten des Landes in Erscheinung treten. Diese Clips werden Postcards genannt.

 

Pre-Party

Viele Länder feiern ihre Pre-Partys. Dabei handelt es sich um vergleichsweise günstige Veranstaltungen, die dem großen ESC-Fankreis die Möglichkeit bietet, die jeweiligen Jahrgänge live erleben zu können, auch wenn man nicht beim ESC live vor Ort sein kann. Viele Länder feiern/feierten ihre ESC Partys: Spanien, UK, Niederlande, Israel. In Deutschland hat die Pre-Party jedoch einen anderen Charakter. Hier wird der Begriff häufig in Bezug auf die Countdown-Show verwendet, die unmittelbar vor dem Finale live von der Reeperbahn gezeigt wird. Hier treten jedoch, anders als bei den eigentlichen Pre-Partys, keine aktuellen ESC Acts auf. Hierbei handelt es sich eher um ein großes Public Viewing, das vor und nach dem Finale durch Live-Acts umrahmt wird.

 

Punktevergabe

Die Punktevergabe wird immer wieder überarbeitet. Um es nicht ausufern zu lassen, werden aktuell nur noch die 12-Punkte (Höchstwertung) eines jeden Landes verkündet. Die restlichen Punkte werden zuvor zu den zuvor vergebenen Punkten addiert. Hierbei handelt es sich im aktuellen System jedoch nur um die Jury-Punkte. Die Publikumspunkte werden als Gesamtergebnis am Ende zum Jury-Voting addiert. Somit bleibt es länger spannend allerding muss man, um die einzelnen Länder aufschlüsseln zu können, im Anschluss an die Show online recherchieren. Die Transparenz fiel somit der Spannung zum Opfer. Das aktuelle Punktesystem mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10 und 12 Punkten gibt es übrigens seit 1975.

 

Reference Group

Die achtköpfige Reference Group wurde 1998 gegründet. Sie entscheidet über alle Veränderungen des Reglements und der Organisation des ESC. Mediale Aufmerksamkeit erlangte die Reference Group, als sie sich gegen eine Notfall-Variante des ESC 2020 entschied und somit für den Ausfall des Wettbewerbs aufgrund der Corona-Pandemie votierte. Die Notfall-Variante sah vor, dass die Künstler_innen in ihren Ländern auftreten und via Live-Schalte präsentiert werden. Diese Änderung hätte jedoch eine Vielzahl von Veränderungen im Regelwerk mit sich gebracht, was von der Reference Group abgelehnt wurde.

 

Semi/Seminfinale

Mit steigendem Interesse am Wettbewerb, wuchs auch die Teilnehmerzahl. Als diese so groß wurde (mittlerweile sind es über 40 Teilnhemerländer), dass nicht mehr alle Acts am Finalabend auftreten konnten, wurden Auswahlrunden vorgeschaltet. Seit 2008 werden zwei Live-Shows, das erste und zweite Halbfinale in der Woche vor dem großen Finale veranstaltet. So können alle Acts, die am ESC teilnehmen wollen, auch auftreten. In den Vorrunden werden dann die Künstler_innen gewählt, die neben dem Gastgeber und den Big Five im Finale auf der Bühne stehen werden.

 

 

 

 

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