Eurovision 2021 – Das Finale

Wow! Was ein Finale! Liegt es daran, dass wir zwei Jahre darauf gewartet haben und dadurch einfach alles mögen oder war das wirklich ein sehr sehr starker Jahrgang, mit so sympathischen Künstler:innen, dass man am liebsten allen Punkte geben möchte?!

Aber starten wir am Anfang. Die Niederlande präsentiert uns einen Opener, der wirklich unterhaltsam war. Gut singende Moderator:innen sind mittlerweile ja ein Must-Have beim ESC, aber die Eröffnung so zu gestalten, dass man den in Quarantäne befindlichen Vorjahresgewinner kaum vermisst, war schon echt gut. Leider muss man aber sagen, dass dann die Interval-Acts und auch Duncans neuer Song deutlich Hinter den Teilnhemer:innen zurückfielen. Duncans zweiter Song verliert total im Vergleich zu Arcade und die Pausenfüller des Finales waren nicht ansatzweise so gut, wie die der Semis. Hier muss man jedoch eine Einschränkung machen: die ehemaligen Gewinner:innen auftreten zu lassen, war als ESC-Fan natürlich schon super schön, auch wenn es qualitativ nichts herausragendes war.

Zu den Auftritten der Acts gibt’s gar nicht mehr so viel zu sagen. Es war, wie eingangs gesagt, einfach ein starker Jahrgang mit tollen Acts.

Stimmlich gabs ein paar kleinere Überraschungen. Während z.B. Jendrik sich steigern konnte, fiel Zypern ein wenig ab. Es war sicherlich nicht Elenas stärkster Tag.

Moldaus Inszenierung catchte mich auch dieses Mal nicht und Griechenlands gute Idee war in der Umsetzung noch schwächer als im Semi. Die Schatten der Tänzer waren noch stärker zu sehen, was das alles leider total „versaute“. Da wären die letzteren beiden Acts auch nicht ins Finale eingezogen, wenn es nach mir gegangen wäre. Da gab es meines Erachtens einfach stärkere Teilnehmer:innen.

Nullnummern

Aber das Interessanteste an jedem ESC Abend ist ja dann sowieso die Punktevergabe. Und Haaaaallo?! Wie spannend war das denn bitte!? So viele unterschiedliche Länder, die mit 12-Punkten bedacht wurden, hat es schon lange nicht mehr gegeben. Was ein knappes Rennen nach den Jury-Punkten. Diese sahen zwar Gjon’s Tears auf dem ersten Platz, aber die Konkurrenz war durchaus nah dran. Dann das Highlight: die Zuschauerpunkte, die mittlerweile etwas undurchsichtiger verteilt werden, sodass man bis zum Ende nicht wirklich einschätzen kann, ob da noch jemand an den Führenden vorbeiziehen kann.

Wie schon im letzten Jahr gabs Zero-Points vom Publikum, aber das gleich viermal. Was warn da los? James Newman, der schon bei den Jurys leer ausging, erhielt als erstes die traurige Botschaft, dass da nichts mehr hinzukommt und er aus dem diesjährigen ESC komplett ohne Punkte gehen muss. Dann bekamen wir den Satz zum zweiten Mal zu hören. Zwei Jurypunkte aus Österreich und einer aus Rumänien verhinderte die Nullnummer und den letzten Platz. Auch Spanien und die Niederlande bekamen keinen einzigen Publikumspunkt. Das war einfach unglaublich. Nach dem 3. Mal „Null Punkte“ habe ich mit einem Abbruch gerechnet und der Durchsage, dass ein Fehler unterlaufen sei, aber nö, vier Länder wurden abgestraft. Oder um es mit meiner Twitter-Bubble zu sagen:

Ob das nun fair ist oder nicht, möchte ich gar nicht großartig kommentieren. Jede Wertung ist im Prinzip unfair, da jeder Act seine Fans hat und jeder Platz von 1-26 nun mal besetzt werden muss. In einem Wettbewerb gibt es immer einen letzten Platz und immer nur einen Sieger.

Natürlich hätte jeder auf der Bühne Punkte verdient, keine Frage, aber 0 Punkte ist nicht mit „schlecht“ gleichzusetzen. James Newmann war in Europa nicht der unbeliebteste Act, er war lediglich im Schnitt kein einziges Mal in der Top 10. Wir voten hier nicht gegen einen Künstler, sondern für unsere Favoriten. Diese fehlenden Punkte würde ich nicht überbewerten, viel spannender ist es auf die hohen Punktewertungen zu gucken.

Die größten Differenzen gab es bei der Ukraine, die vom Publikum 170 Punkte mehr bekamen, als von den Jurys. Malta hingegen erhielt 161 Punkte weniger, als von den Expert:innen.

Mit einer überwältigenden Summe an Publikumspunkten katapultierten die Zuschauer:innen Italien an die Spitze und entkräfteten somit das Jury-Voting. Und haben wir da nicht großartige Sieger:innen? Eine Band, die Europa zeigt, dass der ESC nicht verstaubt und langweilig ist. Eine Band, die so talentiert, beeindruckend, spannend und divers ist, dass man sich kaum bessere Repräsentanten für den Eurovision wünschen könnte.

Quelle: EBU / Thomas Hanses

Abschließend möchte ich folgenden Hinweis geben. Ich weiß, ich bin gefühlt der einzige Eurofan der Landessprache nicht als Pluspunkt ansieht. Ganz im Gegenteil, ich mag es mitzusingen und die Texte zu verstehen. Nun ist es nicht von der Hand zu weisen, dass vier der Top5 in Landessprache sangen. Die Platzierungen liegen aber nicht an den Sprachen, sondern an den super Songs, die zu den Acts passen, fantastisch inszeniert wurden, authentisch wirkten und den Zeitgeist trafen. Mit der Landessprache hat das nichts zu tun. Als kurzer Reminder: auch Spanien und UK hatten Beiträge in Landessprache und da hieß es: „I am Sorry, Zero Points“.

Aber das ist auch egal, denn Jendrik hat recht: Es geht nicht um die Punkte, sondern um die tolle Zeit die wir alle dank des Wettbewerbs haben!

Quelle: eurovision.tv

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