Gestern war es auch in Island soweit, einen Künstler für Rotterdam zu wählen. Im äußerst abwechslungsreichen Lineup von Söngvakeppnin, dem isländischen Vorentscheid, konnte sich der verrückteste Beitrag durchsetzen. Trotz technischer Pannen war es ein großartiger Abend, denn die fulminante Show zeigte uns die volle musikalische Bandbreite. Alles was den ESC ausmacht war vertreten. Von Balladen, über Pop bis hin zum Rock war alles dabei, inklusive ausgefallener Bühnenshows. Letzendlich konnten sich die Favoriten durchsetzen.  Island schickt „Think about things“ von Daði & Gagnamagnið ins Rennen. Das Video zum Song ging bereits im Vorfeld viral, nachdem zahlreiche Prominente (u. a. Russel Crowe und Jan Böhmermann) diesen in sozialen Netzwerken verbreiteten. Dabei ist das Lied gar nicht mal so gut. Der 90er-Jahre-Synthie-Pop ist ganz witzig und auch nicht schlecht, aber eben auch nicht mehr. Aber beim ESC geht es schon lange nicht mehr ausschließlich um den Song. Das Gesamtpaket muss stimmen. Künstler, Lied und vor allem die dazu passende Bühnenshow müssen wie Zahnräder ineinandergreifen, um im Finale bestehen zu können und gerade die Show in Kombination mit den Künstlern funktioniert bei Daði & Gagnamagnið ziemlich gut. Verrückt, anders, auffällig, witzig, unterhaltsam… Braucht es mehr Adjektive um deutlich zu machen, dass Island nicht den besten Song, aber den besten Beitrag gewählt hat?!

Was 2017 nicht funktionierte, kommt 2020 gut an

Dennoch verstehe ich den diesjährigen Hype nur bedingt, da die Künstler bereits 2017 mit „Is this love?“ den Versuch wagten, für ihre Heimat zum ESC zu fahren. Ähnlicher Sound, ähnliches Bühnenbild, ebenso bescheuert auf eine witzige und sympathische Art und Weise. Hier reichte es aber nur für den zweiten Platz (Hinter Svala mit „Paper“) und eine virale Verbreitung in und außerhalb Europas blieb aus. In diesem Jahr war das anders. Das Musikvideo schlug große Wellen und so mauserte sich der Act schnell zum Favoriten.

Wer ist Daði Freyr und was hat Deutschland damit zu tun?

Aber wer ist Daði Freyr und was hat Deutschland damit zu tun? Der Bezug zu Deutschland ist nicht nur durch Jan Böhmermanns Tweet gegeben, denn der Künstler, der in Reykjavik geboren wurde und in Dänemark aufwuchs, lebt seit einigen Jahren in Berlin. Dort studierte er Musikmanagement und Audioproduktion, was er 2017 mit dem Bachelor abschloss. Nach seinem Abschluss blieb er, seiner Musikkariere wegen, mit seiner Frau Árnýja Fjóla Ásmundsdóttir, die ebenfalls Teil der Kombo ist, in Berlin wohnen.

[Gesamt: 3   Durchschnitt:  5/5]