ARD Rahmenprogramm enttäuschend wie eh und je

In einer Pressemitteilung veröffentlichte der NDR heute den größten Teil der Gästeliste des ESC Rahmenprogramms (Countdown + Aftershow-Party) und wie immer ist die Auswahl enttäuschend.

Moderiert wird das kultige Trauerspiel erneut von Barbara Schöneberger. Hier wiederhole ich mich gerne: Ich liebe Barbara und finde sie in so vielen Shows unglaublich unterhaltsam und charmant, aber in Sachen ESC sollte sie den Staffelstab allmählich weitergeben. Sie hat wirklich viel zum ESC Kult beigetragen, aber der Vorentscheid „Germany 12 Points“ zeigte eindrucksvoll, dass ein Tiefpunkt erreicht ist.

Drei Herren für Barbara

Auch die Gästeliste lässt an Enttäuschungen nichts offen. So wird hier Thomas Hermanns erneut als ESC Experte geladen. Ja, mag sein, dass er auch für den ESC viel getan hat, dass er diesen lange begleitet gar geprägt hat, aber jemanden auszugraben, der den Staffelstab dankenswerterweise bereits vor über zehn Jahren weitergegeben hat, ist meiner Meinung nach keine gute Idee. Statt den ESC mit jüngeren und moderneren Expert:innen zu versehen, wendet der NDR sich stoisch in Richtung Vergangenheit. Das zeigt auch der nächste Gast: Johnny Logan. Meine Güte, wenn man schon alternden ESC Gewinnern eine große Bühne geben möchte, dann doch bitte ABBA! Diese haben mit den letzten Charterfolgen bewiesen, dass die Welt sie noch immer liebt! Klar, Johnny Logan lebt den ESC. Er ist einer der bedeutendsten ESC Künstler aller Zeiten, aber irgendwie doch auch sinnbildlich für die Rückwertsgewandtheit des NDR.

Wenigstens versprüht der dritte Act etwas mehr Moderne. Das wars aber auch schon, was ich lobend zu ihm sagen kann. Wiedermal kramt der NDR für die Show Acts aus, die zwar in Deutschland populär sind bzw. waren, aber so viel mit dem ESC zu tun haben, wie ich mit dem ASC! Fast nüschte!

Max Giesingers ESC Verbindung ist so gering, dass man neben seiner Jury-Tätigkeit 2018 schon hervorheben muss, dass er der beste Freund Michael Schultes ist. Man scheut sich in der Ankündigung nicht einmal davor, schon hier darauf hinzuweisen, dass er seine neue CD promoten wird. (Würg) Den neuen Song hätte er ja mal beim „Germany 12 Points“ als Teilnehmer bewerben können, aber nein, vorm Wettbewerb selbst haben die etablierten ja meist zu viel Angst.

Max Giesinger

Was ein trauriges Line-Up.

Jendrik wird scheinbar auch hier wieder ignoriert. Da ist der NDR wenigstens konsequent: Lieferst du beim ESC nicht ab, wirst du fallen gelassen.

Apropos fallen gelassene ESC Acts: Es gäbe jüngere Künstler:innen, die man hätte einladen können:

Levina veröffentlichte gerade neue Musik. Gleiches gilt für Jamie-Lee und Ben Dolic. Ann-Sophie sorgte kürzlich bei The Voice für Aufmerksamkeit. Jendrik hätte als letztjähriger Act die „Ehre“ sowieso verdient.

Und auch, wenn ich die Kritik an Electric Callboy nicht scheute, der ESC Countdown wäre die perfekte Plattform gewesen, um die zerstrittenen Lager zu vereinen. Eine Wildcard gabs (zurecht) nicht, aber die große Bühne unmittelbar vor der Show, das wäre ein schönes Zeichen gewesen und hätte gezeigt, dass der NDR auch auf diese Fans zugeht. Die Band hat übrigens auch eine neue CD zu promoten und scheuten im Gegensatz zu Herrn Giesinger die Teilnahme am deutschen Auswahlverfahren nicht.

Erneut eine vertane Chance.

 

 

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Eine Antwort auf „ARD Rahmenprogramm enttäuschend wie eh und je“

  1. Das Problem ist, dass Deutschland eine riesige ESc-Fanbase hat, aber keine guten Musikfernsehen-Dramaturgen. Musik wird im deutschen Fernsehen als Milieubefriedigung nach Bourdieu gedacht. Es fehlt aber eine Strategie Milieumusik, innovative Musik, Genre und Popmusik nachhaltig zu fördern. Das sieht man dann auch in so einem kurzsichtig konzeptionierten Programm für den ESC.

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